Die Zeit heilt alle Wunden

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Gerade an den Weihnachtsfeiertagen werden wir sentimental, hören ein Musikstück, das Erinnerungen weckt und wir denken gern an die gute alte Zeit zurück.

Wir holen Fotoalben heraus und treffen liebe Bekannte auf den Lichtbildern wieder. Das alte Schwarzweissfoto vom Polterabend der Eltern, als alle noch so unbeschwert und lustig waren. Die Zukunft lag wie ein goldenes Band vor ihnen. Der seelige Onkel, der immer für einen Jux gut war und mit den Nachbarskindern Seifenkiste fährt. Opa mit Pepitahut und Meerschaumpfeife stolz vor seinem nagelneuen Ford Taunus posierend. Das verblasste Foto von Rimini, mit der Schulfreundin – ach wie hieß sie noch? – der erste Urlaub, den wir uns sauer von unserem Lehrlingsgehalt abgespart hatten. Und schau mal: Oma beim Kartoffelnschälen in ihrem kleinen verwunschen Garten, in dem alles so hübsch wuchs und blühte und in den sie uns im Sommer immer zum Kaffeetrinken einlud. Ach Oma.

Niemand kann die Zeit zurückdrehen oder sind Sie der glückliche Besitzer einer Zeitmaschine?

Man denkt an die Zeit, die man mit der Familie oder mit Freunden verbrachte, die nun in alle Himmelsrichtungen verstreut sind und keine Zeit mehr für einen Besuch haben. Die Wege sind zu weit, das Geld ist zu knapp und so bleibt oft nur das Telefon oder eine knappe SMS. Vor lauter Arbeit hetzen wir der Zeit hinterher und sie ist gar nicht mehr gut. Alles wird immer schneller und muss möglichst sofort erledigt werden. Wir tun dabei so, als hätten wir alle Zeit der Welt. Vor lauter Planung vergessen wir, im Hier und Jetzt zu leben. Man darf es sich nicht mehr erlauben zu leben und Zeit zu haben. Doch Zeit ist das höchste Gut.

Denn wenn das Leben zu Ende geht, bereuen wir, das wir nicht genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge hatten: „Wir mussten ja immer nur.“ Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware befragte todkranke Menschen, was sie am meisten bereuten und hörte stets das gleiche Bedauern der Sterbenden, ihr Leben einfach nicht gelebt zu haben und der Selbstvorwurf, dass diese Erkenntnis viel zu spät kam. „Ach hätte ich doch…“ mehr Zeit gehabt, weniger gearbeitet, mehr Mut für meine Gefühle aufgebracht, Kontakte zu Freunden und Familie aufrechterhalten oder mir einfach erlaubt glücklicher zu sein.

Die Zeit, die man mit dem geliebten Partner verbracht hat, viele schöne Momente voller Liebe und Glück. Nun ist der Partner schon lange verstorben und wir sind allein mit unseren Erinnerungen und dem Bedauern nicht noch das eine wichtige Gespräch geführt zu haben. Was ich dir noch sagen wollte wird für immer ungesagt bleiben. Weisst Du noch? Ja, weisst Du noch, als die Enkelkinder noch klein waren und fast jeden Sonntag unbedingt zur Oma wollten? Nun ist für Oma keine Zeit mehr, sie wartet vergeblich und vergessen im Pflegeheim. Oder Oma ist nicht mehr da. Dabei wollten wir alle zusammen noch eine Weltreise machen.

Kennen Sie die amerikanische Tragikomödie „Das Beste kommt zum Schluss“? Der Film handelt von zwei Männern, denen, beide todkrank, nicht mehr viel Zeit bleibt. So beginnen sie gemeinsam eine sogenannte „Löffelliste“ zu erstellen, mit Dingen, die sie noch unbedingt tun möchten, bevor sie den Löffel abgeben.

Machen Sie sich die Mühe, nehmen Sie sich die Zeit, und schreiben Sie eine kleine persönliche Wunschliste mit Dingen, die Ihnen wirklich wichtig sind. Dinge, die Sie unbedingt noch erledigen oder erleben möchten und die Ihnen am Herzen liegen.

Fangen Sie damit gleich an. Denn die Zeit heilt keine Wunden wenn Sie nur abwarten bis es zu spät ist. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben die beste Zeit Ihres Lebens!

 

Textbeitrag von Andreas von Baudissin (Grafikdesigner, Illustrator, freier Autor)

 

 

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Über den Autor

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1 Gedanke zu „Die Zeit heilt alle Wunden“

  1. Ja, die Erinnerungen sind noch da, mit Glück auch noch die Musik zu den Bildern und… das Filmchen von der ersten Fahrradtour an den Bodensee.
    Alles zusammen in einem virtuellen Buch von Biogravision.
    Glück zum Verschenken.

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